Die Erhabenheit des Pragmatischen
Landschaftsarchitektur entsteht für uns nicht aus der Suche nach der außergewöhnlichen Geste. Sie entsteht aus der präzisen Auseinandersetzung mit dem Vorgefundenen, dem Notwendigen und dem Möglichen. Wir verstehen das Pragmatische deshalb nicht als Einschränkung des Entwurfs, sondern als dessen produktive Bedingung. In der sorgfältigen Auflösung komplexer Anforderungen liegt eine eigene Form der Schönheit – eine Erhabenheit des Pragmatischen.
Der Freiraum ist dabei niemals isoliertes Objekt. Er ist Teil eines größeren räumlichen, ökologischen, technischen und gesellschaftlichen Zusammenhangs. Gebäude, Landschaft, Wasser, Vegetation, Infrastruktur und Nutzung bilden keine voneinander unabhängigen Systeme, sondern überlagern und bedingen sich gegenseitig. Landschaftsarchitektur bedeutet für uns, diese Zusammenhänge lesbar zu machen und aus ihnen eine räumliche Ordnung zu entwickeln.
Wir glauben an eine Landschaftsarchitektur, die ihre Kraft nicht aus der Autonomie der Form bezieht, sondern aus der Konsequenz, mit der sie Bedingungen in Raum übersetzt.
Gerade die gegenwärtigen Aufgaben der Stadt verlangen nach einem solchen Verständnis. Klimatische Veränderungen, der Umgang mit Wasser, die Transformation bestehender Strukturen, neue Formen urbaner Dichte und sich wandelnde Ansprüche an den öffentlichen Raum lassen sich nicht innerhalb einzelner Disziplinen beantworten. Sie verlangen nach Entwürfen, in denen technische Notwendigkeit, ökologische Leistungsfähigkeit und räumliche Qualität nicht gegeneinander abgewogen, sondern miteinander gedacht werden.
In diesem Verständnis ist auch der Name Bauforum Berlin programmatisch.
Das Forum bezeichnet seit jeher einen Ort der Zusammenkunft: einen Raum des Austauschs, der Verhandlung und der gemeinsamen Hervorbringung von Stadt. Diesen Gedanken übertragen wir auf unsere Arbeitsweise. Bauforum Berlin verstehen wir als einen Ort, an dem Landschaftsarchitektur, Architektur, Städtebau, Projektentwicklung, Ingenieurwesen und weitere Disziplinen zusammenkommen. Nicht als Addition einzelner Fachplanungen, sondern als gemeinsamer Entwurfsprozess.
Interdisziplinarität ist für uns deshalb keine organisatorische Methode, sondern eine Haltung. Wir sind überzeugt, dass die Qualität eines Projektes wesentlich an den Übergängen zwischen den Disziplinen entsteht. Dort, wo aus einer technischen Anforderung eine räumliche Idee, aus einer infrastrukturellen Notwendigkeit ein gestaltendes Element und aus einer funktionalen Lösung ein selbstverständlicher Teil des Ortes werden kann.
Unser Arbeitsfeld reicht entsprechend vom konkreten Objekt und seiner konstruktiven Umsetzung über Freiraum- und Entwässerungskonzepte bis zum städtebaulichen Maßstab des Quartiers. Der Wechsel zwischen diesen Maßstäben ist für uns wesentlich. Denn die Qualität des Details lässt sich nicht unabhängig von der Idee des Ganzen denken.
So verstehen wir Planung als einen Prozess des Verknüpfens: von Maßstäben und Disziplinen, von Gestaltung und Konstruktion, von Wasser und Vegetation, von Architektur und Landschaft, von langfristiger Strategie und konkretem Detail.
Unser Ziel sind keine autonomen Entwurfsobjekte, sondern robuste räumliche Strukturen, die aus ihren Bedingungen heraus selbstverständlich erscheinen und zugleich offen genug bleiben, um Veränderung aufzunehmen. Orte, deren Qualität sich nicht in der Geste erschöpft, sondern sich im Gebrauch, in ihrer Dauerhaftigkeit und in ihrer Fähigkeit zeigt, Teil des Anthropozäns zu werden.
Das Pragmatische ist dabei nicht das, was vom Entwurf übrig bleibt. Es ist der Punkt, an dem der Entwurf beginnt.
Vielleicht liegt genau darin die Aufgabe zeitgenössischer Landschaftsarchitektur: nicht immer neue Bilder zu produzieren, sondern aus der Komplexität des Vorgefundenen eine Ordnung zu entwickeln, die mehr kann, als sie zeigt.
Nicht die Geste erzeugt den Ort. Der Ort erzeugt die Geste.
Und manchmal ist die selbstverständlichste Lösung die radikalste.